Nepal 2015 – noch nie seit Bestehen unseres Vereins war die Hilfe in diesem Land so notwendig. Am 25. April erschütterte ein furchtbares Erdbeben mit deiner Stärke von 7,8 auf der Richter-Skala das Land. Ganze Landstriche, besonders in den Bergregionen, wurden total zerstört und dem Erdboden gleichgemacht.  Fast 10.000 Menschen kamen ums Leben, 21.000 wurden verletzt, 800.000 Häuser wurden zerstört und 3,5 Millionen wurden obdachlos. Diesem Beben folgte ein weiteres, starkes Erdbeben im Mai, und mehr als 400 Nachbeben hielt die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Der Sachschaden wird auf zehn Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Hilfe des Staates für die betroffene Bevölkerung und auch der Wiederaufbau verzögerten sich gewaltig. Politische Auseinandersetzungen verhinderten eine schnelle Hilfe. Erst Mitte Januar 2016, 9 Monate nach der Katastrophe, startete man die Wiederaufbau-Kampagne. Von den vier Milliarden  Euro Finanzhilfe, die die internationale Gemeinschaft zusagte, erreichte bisher Nepal nur sehr wenig.

Es war deshalb eine große Aufgab für unseren Verein, sofort nach dem Beben mit Hilfslieferungen an die betroffene Bevölkerung in den Bergregionen  zu beginnen. Ich hielt mich zum Zeitpunkt des Erdbebens in Nepal auf und konnte gleich mit der Organisation der Soforthilfe beginnen.

Mit privatem Geld, das ich als Vorleistung auf die zu erwartenden Spenden aufbrachte, starteten die ersten Hilfslieferungen vom Chitwan, dem Ort, an dem unser Verein hauptsächlich tätig ist und auch von Kathmandu aus. Vom Chitwan führten wir diese Hilfe im Gebiet um die Stadt Gurka und von Kathmandu aus in das völlig zerstörte Langtang-Gebiet durch.

In Deutschland trafen auf dem Konto von Nepal-Hilfe direkt e. V. die ersten Spenden sehr schnell ein. Es war ein großer Vertrauensbeweis der Spender an unseren Verein und an unsere Hilfsleistungen  zu erkennen. Kleine Spenden ab 5,– Euro bis hin zu großen Spenden weit über 10.000,– Euro erreichten uns. Es waren private Spender, Geschäftsleute, Vereine und auch große Hilfsorganisationen die die Spenden überwiesen. Wir hatten einen  sehr großen Betrag für die Hilfe in Nepal zur Verfügung, den wir in den beiden erwähnten Gebieten zunächst für Lebensmittel, Medikamente, Decken, Zelte, Plastikplanen und später für Wellblech verwendeten. Der Monsun hatte eingesetzt und die Leute mussten sich einen trockenen Platz aufbauen. Besonders bemühten wir uns anschließend den zerstörten Schulen beim Wiederaufbau zu helfen, damit den vielen Kinder wieder Unterricht erteilt werden konnte.

Eine großartige Hilfe konnten wir im Chitwan leisten. Eine nepalische NGO nahm aus  den Erdbebengebieten 120 Kinder auf, die Probleme mit der Unterbringung oder Eltern verloren hatten und brachte sie in einer leer stehenden Schule mit Wohnheim unter. Diese Kinder sind zwischen 6 und 12 Jahre alt. Die NGO hatte jedoch fast keine finanziellen Mittel, die Kinder zu versorgen. Sie baten uns um Hilfe. Viele Monate unterstützten wir diese 120 Kinder, kauften zunächst Matratzen, Decken und halfen dann mit Lebensmitteln. Eine staatliche Hilfe war nicht in Aussicht, umsodankbarer wurde unsere Hilfe angenommen.

Wir übernahmen die Zollkosten einer Lieferung  aus Deutschland für ein Krankenhaus und bauten Schulen wieder auf oder beseitigten die Erdbeben-Schäden.
Aufgebaut wurden:
Dhrubatara English School,
Gagan Kumar Thapa – Aufbau der Schule Shymewangel School
Shree SyauriBhume Higher Secondary School
Victor Hugo ManjushreeVidyapith

Weiterhin halfen wir den 120 Kindern im Chitwan von Mai bis Dezember mit Decken, Matratzen, Lebensmitteln und Medikamenten.
Fotos dieser Schulen und der unterhaltenen Kinder liegen bei.

Dem DhuramusSuntaliFound stellten wir 400.000 Rupien zum Bau einfacher, kleiner Häuser in den Erdbebengebieten zur Verfügung, ebenso dem Read Information and ResourceCentre (READ Nepal)

Ebenso wurden Lebensmittel, Medikamente, Decken, Zelte, Plastikplanen, Zinkblech und Baumaterial in die zerstörten Gebiete um Gurka und in das Langtang-Gebiet geliefert. Auch hierüber sind Fotos in den beiden beiliegenden Alben zu sehen.

Gezielte Spenden für den Bau einer Schule in Bachhali, den die NGO Green Society Nepal durchführt, überwiesen wir an diese NGO in Höhe von 51.096,46 Euro.

Es war besonders wichtig, dass eine Hilfe sofort nach dem Erdbeben eingesetzt wird, da mit einer staatlichen Hilfe nicht zu rechnen war. Wir haben besonders mit Lebensmitteln und Baumaterial in den zerstörten Dörfern helfen können und mit dem Bau, bzw. Wiederaufbau von Schulen vielen Kindern die Chance gegeben, wieder ein etwas sorgenfreieres Leben aufzubauen. Den 120 Kindern war unsere Hilfe besonders notwendig.

Unsere Hilfe war immer ganz gezielt ausgerichtet und von meinem Sohn Sher, der in Kathmandu lebt  und von seinem Bruder Shiri im Chitwan durchgeführt und verantwortungsvoll geleitet. Wir erhielten viel Dankbarkeit und Anerkennung der Bevölkerung in den zerstörten Gebieten.
Allen Spendern danken wir im Namen der Dorfbewohner für die großartige, schnelle finanzielle Hilfe.

Unsere Tätigkeit im Dorf Bachhauli, im Chitwan, lief auch in diesem Jahr wie in den vergangenen Jahren gezielt ab. Zwar hatten sich die Lebensverhältnisse sehr verschlechtert, da aus politischen Gründen die Grenze nach Indien blockiert wurde. Nepal ist wirtschaftlich ganz von Indien abhängig. Man bezieht Gas aus Indien, das jeder Haushalt zum Kochen benötigt, Benzin, Diesel, Baumaterial, Medikamente und viele Lebensmittel. Nur war die Grenze nach Indien bis in das Jahr 2016 blockiert und es herrschte eine bittere Versorgungsnot im ganzen Land. Man konnte nicht mehr im Haus kochen, sondern musste versuchen im Freien einen Platz zu finden, an dem man notdürftig das notwendigste zubereiten konnte, für eine ganz kleine Mende an Benzin oder Diesel standen die Auto- und Motorradfahrer Tag und Nacht an den Tankstellen, in den Krankenhäusern fehlten Medikamente um zu behandeln, die Preise für Lebensmittel stiegen sehr stark an. Im ganzen Land wirkte sich dies unerträglich aus und alle hatten ein sehr schweres Jahr. Zu dem kam noch, dass wegen des Erdbebens und der täglichen Nachbeben die Schulen geschlossen blieben und die Kinder einen ganz unregelmäßigen Unterricht bekamen. Viel Zeit ging ihnen dabei verloren.

Ein großes Problem waren auch die Geldüberweisungen nach Nepal. Überweisungen erfolgen zunächst auf die Zentralbank Nepals. Dort wird geprüft, ob die Überweisung für Opfer des Erdbebens bestimmt ist oder anderen Zwecken dienen soll. Die Gelder, von denen geglaubt wurde, es handle sich um Spenden für Erdbebenhilfe, wurden beschlagnahmt und auf ein staatliches Konto geleitet. Der Staat wollte den gesamten Wiederaufbau selbst kontrolliert in die Hand nehmen. Hilfsorganisationen konnten nicht mehr die Spenden wie gewollt verwenden. Für unsere Hilfe im Chitwan überwies ich in diesem Jahr aus Sorge, dass auch unsere Spenden beschlagnahmt werden, 2015 nur die notwendigsten Mittel und auch nur so, dass nicht zu erkennen war, dass es sich um Spendengelder handelt.

Aus diesem Grund nahmen wir einen größeren Betrag an Spenden mit in das Jahr 2016. Sie werden jetzt, nachdem sich die Situation beruhigt hat, für die Ausgaben des Jahres 2015 verwendet.

Von unseren 50 Kindern, die wir betreuen, ist zu berichten, dass 10 Schülerinnen und Schüler die wichtige Schulabschlussprüfung nach der 10. Klasse (SLC) ablegten. Alle erreichten gute Noten und eines unserer Mädchen schnitt sogar als Beste der Klasse ab. Auch hier ging viel Zeit an Unterricht durch  das Erdbeben und die Blockade verloren, die die Kinder in unregelmäßigem Unterricht nachholen mussten. Der Unterricht vor und nach der Schule in unserem Kinderhaus war deshalb besonders in diesem Jahr sehr wichtig und sehr hilfreich für die Kinder. Schulgeld, Schulkleidung, Schulbücher und Schulmaterial konnten zur Verfügung gestellt werden. 3 Jungen und einem Mädchen gaben wir im Chitwan und in Kathmanduzusätzlich die Chance, ein College zu besuchen, um sich auf einen Beruf vorzubereiten.
Die Frauengruppe, die wir gründeten, ist sehr beliebt und immer voll besetzt. Sie  wird mit Interesse besucht.

Leider waren einige der Kinder während des Jahres auch krank, ein Junge musste sich zwei Operationen am Fuß unterziehen.

Unsere Hilfe im Dorf Bachhauli ist von den Bewohnern sehr anerkannt und man ist unserem Verein für die Hilfe sehr dankbar.

Ganz herzlichen Dank allen Spendern für die großartige Unterstützung und für das Vertrauen in unseren Verein. Sie können sicher sein, dass alle Spenden – sowohl für die Erdbebenopfer als auch für unsere anderen Aufgaben – gewissenhaft und gezielt verwendet werden.

Ohne Ihre Hilfe wäre dies alles nicht möglich. Bitte helfen Sie uns weiterhin.
Danke.
Namaste

Nepal-Hilfe direkt e. V.                                                                                   
Heinz Kintzl
-Vorstand-